Der Blick zurück oder: Archive auf dem Vormarsch
Zehn Jahre sind kein hohes Alter. Aber wenn es wahr ist, dass ein Internetjahr fünf bis sieben konventionellen Jahren entspricht, dann sieht die Rechnung schon anders aus. Für eine solche Zeitspanne lohnt sich der Blick zurück. Und der wird zunehmend vergangenheitsbewusster.
Zwar gilt immer noch die Devise, dass nur top-aktuelle Ware auf den Internettisch gehört. Jede Woche ein Newsletter mit wirklich Neuem? Für jeden Tag Top-News? Nicht selten führt dies dazu, dass nichts wirklich Neues produziert wird. Stattdessen entstehen Nochmal-Aufgüsse, Wiederholungen und Contentproduktionen, die wegen der Aktualitätsforderung da sein müssen, von ihrer Werthaltigkeit aber auch verzichtbar sind.
Während auf der einen Seite also kräftig weiter Inhalte um ihrer Existenz willen produziert werden, entwickeln sich auf der anderen Seite Archive, Gedächtnisse und Zeitspeicher. Bei etlichen qualitätsorientierten Anbietern liegt mittlerweile ein Fundus an gut gemachten, wertvollen Inhalten bereit.
Die Geschichte des Internet rückt ins Blickfeld: Sei es nun die gesamte Palette der Online-Themen vom Online-Marketing bis hin zur Internetgestaltung oder die Geschichte des Internet selbst von der Entwicklung einzelner Websites bis hin zur Entwicklung der Browsergenerationen. Diese gespeicherten Informationen werden nun zunehmend in Archiven und Indizes angeboten und erlauben den bewertenden Blick zurück.
Beispiel 1
Bereits seit seit dem 24.Oktober 2001 gibt es mittlerweile die Wayback Machine. Die Archivsammlung bietet - beginnend mit dem Jahr 1996 - über 30 Milliarden Versionen von Webseiten. Hier geht es um Existenz und Entwicklung pur. Über die Eingabe der Internetadresse erhält man einen Überblick über alle für diese Adresse gespeicherten Seiten und kann auf eine interessante Zeitreise gehen. Für größere Anbieter mit Geschichte wie ebay.de oder yahoo.de führt dies zuverlässig zu einer Ergebnisauswahl. Bei kleineren Anbietern heißt es oft "Sorry,...". (www.archive.org)
Beispiel 2
Der E-Mail-Marketing-Dienstleister agnitas bietet seinen fundierten und auch in Buchform erhältlichen Newsletter in einem Archiv an. Wer zum Beispiel mehr wissen will zu Detailfragen wie Landing Pages oder rechtlichen Gegebenheiten, wird in übersichtlich angelegten und fokussierten Artikeln fündig. (www.agnitas.de)
Beispiel 3
Bereits 1995 fand die erste W3B-Umfrage über die Nutzung des deutschsprachigen WWW statt. Damals nutzten beispielsweise 93,8 % Männer und nur 6,2% Frauen das Internet. Hauptsächlich wurde das Internet zum Abrufen aktueller Informationen verwendet. Diese und andere Fakten liegen in einem Ergebnis-Archiv der inzwischen 15 Umfragen zum Nachschauen bereit. (www.w3b.de)
Die Beispielliste lässt sich beliebig fortsetzen. Fest steht: Es lohnt sich, öfter mal nach dem Menüpunkt "Archiv" Ausschau zu halten. Er klingt vielleicht angestaubt, doch in Wahrheit verbergen sich dahinter oft aufschlussreiche Material-Sammlungen. Sie geben uns die Möglichkeit, auch einmal aus dem Eiltempo des Internet auzuscheren und dabei vielleicht Perspektiven und Erkenntnisse zu gewinnen, die uns beim bloßen Voran-Blick entgehen.
01.12.2003

Der Blick zurück oder: Archive auf dem Vormarsch
